justtrade: Erfahrungsbericht

justTRADE ist ein neuer Broker aus Frankfurt. Mit kostenlosem Trading hat er das Zeug dazu, den deutschen Broker-Markt zu revolutionieren. Aktuell gibt es eine Beta-Phase, die ich für einen Test nutzen durfte. Lest hier meinen ersten Erfahrungsbericht.


Nachdem das Fintech justTRADE an die Öffentlichkeit gegangen war, hatte ich einen ersten Kurzbericht verfasst. Nun hat justTRADE seinen Brokerservice für die ersten Beta-Tester geöffnet. Ich habe mich für die Beta-Phase angemeldet und habe in den letzten Tagen bereits erste Trades über justTRADE abgewickelt.

Zunächst musste ich angeben, ob ich ein iPhone- oder Android-Gerät besitze. Etwas verwundert habe ich angegeben, dass ich ein iPhone besitze und bekam umgehend eine Einladung für „Testflight“, der Test-App von Apple. Die Trading-App von justTRADE ist nämlich noch nicht im offiziellen App-Store verfügbar, sondern der Download erfolgt eben über Testflight bzw. bei Android-Geräten über Google. Testflight hatte ich bereits auf meinem Handy installiert, so dass der Download der justTRADE-App kein Problem war. Die App wird u.a. für die Video-Legitimation benötigt, die direkt über die App vorgenommen werden kann, aber dazu später mehr.

Der Handel ist bei justTRADE aber nicht nur über die App möglich, sondern auch über das Webtrading.

1. Depot- und Kontoeröffnung

Nach Eingabe des Registrierungs-Codes ging die Depot- und Kontoeröffnung recht schnell, nur meine Steuernummer (TIN) hatte ich nicht im Kopf und musste die raussuchen. Der restlichen Angaben waren schnell erledigt. Nachdem ich alles eingegeben hatte, bekam ich eine E-Mail mit dem Barcode zur Video-Legitimation, die ich dann mit der justTRADE App komfortabel erledigt habe. Hierbei ist vielleicht anzumerken, dass die Legitimation nur über den Personalausweis vorgenommen werden kann (und nicht über z.B. einen Reisepass). Nach Beendigung der Legitimation versendet justTRADE eine E-Mail mit den Kontodaten. In der App musste ich dann noch ein Passwort wählen und bekam den Hinweis, dass am Folgetag mit einer Freischaltung zu rechnen sei. Alles in allem hätte die Eröffnung wahrscheinlich knapp 10 Minuten gedauert, durch die Suche nach meiner TIN dauerte es etwas länger. Positiv anzumerken ist auch, dass die Eröffnung in der Tat voll-digital funktioniert und ohne lästigen Besuch bei der Post oder Formular-Kram, den man per Post zu justTRADE schicken muss. PostIdent wird gar nicht erst angeboten. Innovativ finde ich auch die Idee, dass man sich das Login-Passwort selber vergeben kann.

2. Der erste Login

Den versprochenen Tag Freischaltung hat justTRADE eingehalten, da das Konto aber noch nicht kapitalisiert war, konnte ich mich zunächst nur umschauen, aber noch nicht handeln. Als erstes habe ich eine Überweisung auf mein neues Verrechnungskonto vorgenommen. Einen Tag später stand mein Geld zum Traden bereit. Das Login für das Webtrading ist per 2-Faktor-Authentifizierung (via SMS) abgesichert bzw. in der App auch mit TouchID. In der Postbox finden sich beim ersten Aufruf alle relevanten Dokumente, neben den AGBs, der aktuellen Preisliste u.a. auch zwei PDFs vom Bankverlag zum Thema Wertpapiere und Optionsschein-Handel.

Sowohl App als auch das Web-Trading sind sehr übersichtlich aufgebaut. An einigen Stellen wird noch mittels „coming soon“ angekündigt, dass hier noch eine Funktion nachgeliefert werden wird. So bspw. auf der Startseite die „Finanzübersicht“. Ansonsten erfolgt die Navigation über die Punkte „Depot“, „Orderbuch“, „Konto“ und „Order“.

3. Die erste Order

Die Ordereingabe ist denkbar einfach. Ein Wertpapier kann entweder über ISIN, WKN oder den Namen gesucht werden. Nach der Eingabe erscheinen die Treffer mit dem Hinweis auf den verfügbaren Handelsplatz. Für Aktien derzeit entweder Quotrix oder LSExchange. Jetzt gibt man die gewünschte Stückzahl ein und klickt auf „Kaufkurs“ (=Kauf) oder „Verkaufskurs“ (=Verkauf). Anschließend erscheinen die Echtzeitkurse der für dieses Wertpapier verfügaren Handelsplätze. Mit dabei alle relevanten Angaben: Bid / Ask, ausmachender Betrag sowie interessanterweise noch der ausgerechnete Spread zwischen Bid und Ask. Über den Button „Kostenpflichtig kaufen“ bzw. „kostenpflichtig verkaufen“ wird die Order erteilt. Der Link „Kosten“ ist noch ganz interessant, da hier in der Tat alle bekannten Gebührenpositionen mit 0,00€ ausgewiesen werden.

Ich wollte zum Ausprobieren zunächst eine kleine Order aufgeben, was aber nicht gelang. Das System generiert beim Klick auf „Kaufen“ eine Fehlermeldung mit dem Hinweis, dass das Mindestordervolumen für Käufe bei 500€ liegt. Das finde ich zwar etwas schade, allerdings kann ich es bei der Konditionspolitik durchaus nachvollziehen.

Nachdem ich die Stückzahl erhöht hatte, um das Mindestordervolumen von 500 € zu erreichen und die Order platziert hatte, wurde mir der neue Bestand direkt in der „Depot“-Ansicht ausgewiesen. Auch ein Verkauf der neuen Position wäre sofort wieder möglich gewesen. In der Postbox fanden sich anschließend zwei neue PDFs. justTRADE hat mir für jede Order eine Info über die „Vorhandels-Kostentransparenz“ eingestellt. Dies scheint seit Mifid regulatorische Vorgabe zu sein. Am nächsten Tag hatte ich die eigentliche Wertpapier-Abrechnung als PDF in der Postbox und in der Tat war der Trade komplett kostenfrei!

Bisheriges Fazit:

Kostenfreier Börsenhandel! Das ist natürlich eine Ansage, da muss ja eigentlich ein Haken sein. Würde man tatsächlich denken. Aber bisher bin ich absolut begeistert. Die Depot- und Kontoeröffnung ging schnell und problemlos, die Überweisung war nach einem Tag gutgeschrieben und stand mir zum Traden zur Verfügung. Das Ordern ist ebenfalls sehr einfach und die bisher angebundenen Handelspartner sind mehr als zufriedenstellend.

Was mir richtig gut gefällt ist die Order-Umsetzung. Ähnlich wie bei der OnVista Bank werden die Quotierungen sämtlicher Handelspartner in Realtime angefragt. Man muss also nicht wie bei anderen Brokern üblich, zunächst den Handelsplatz bei der Orderaufgabe angeben, sondern erfragt Quotierungen sämtlicher Handelspartner gleichzeitig an und kann sich dann für den besten Kurs entscheiden. Dadurch, dass die derzeit von justTRADE angebundenen Handelspartner Quotrix und LSEchange bei meiner Order im Wettbewerb stehen, kann ich mir den günstigsten Kurs aussuchen. Wie sonst nur im Direkthandel üblich, läuft hier eine kurze Zeitfrist, in der die Quotierung angenommen werden kann. Ist die Frist verstrichen, kann die Quotierungsanfrage einfach wiederholt werden. Hier habe ich die volle Kontrolle über den Kurs zu dem ich handel.

ETF-Sparpläne wären für mich persönlich noch ein wichtiger Faktor. Diese stehen nach Aussage der beiden justTRADE-Gründer aber ganz oben auf der Agenda und sollen noch kommen. Weiteres Manko ist, dass noch keine Limit-Orders zur Verfügung stehen. Für vorhandene Depotwerte können also keine Stop-Loss Schwellen eingerichtet werden.

Mein Fazit: Dieser Broker macht Spaß! Wer eine Mindestordergröße von 500 € einhält, der kann hier (!) ohne (!) Ordergebühren Aktien, Zertifikate, Optionsscheine und ETFs traden.

Update 18.11.2019: Mittlerweile hat justTRADE auch die auserbörslichen Handelspartner kommuniziert. Es sind Vontobel, Société Générale, UBS und Citi.

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Impressionen aus Webtrading und Trading-App

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Screenshot justTRADE Webtrading

Screenshot Webtrading – Übersicht nach Login

justTRADE Orderaufgabe

justTRADE Orderaufgabe

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Autor:Thomas

hat früher bei einem Online-Broker gearbeitet. Berichtet hier über Neukundenaktionen, Vor- und Nachteile bestimmter Broker, Konditionsmodelle und Trading-SetUps.Google+

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3 Kommentar zu “justtrade: Erfahrungsbericht”

  1. Joschka
    8. November 2019 at 10:16 #

    Hallo Thomas,

    kannst du etwas zu angebotenen Ordertypen sagen? Bietet justtrade Trailing Stops an?
    Danke im voraus und einen schönen Tag!

  2. Thomas
    13. November 2019 at 16:12 #

    Hallo Joschka, bisher sind nur quotierte Orders möglich. Vom Ablauf wie im Artikel beschrieben. Market-Oders und Limit Orders sind nicht möglich und damit auch keine Trailing Stops. Aber Market Orders sind ja auch im Prinzip unfair, weil man den Kurs, zu dem der Handel abgeschlossen wird, nicht kennt. Insofern sind die Quotierungen aus meiner Sicht die bessere Alternative.

  3. Joschka
    15. November 2019 at 10:32 #

    Danke für die Antwort!

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