Außerbörslicher Handel – Das sollten Sie wissen

Der außerbörsliche Handel mit Wertpapieren hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Wir zegen, welche Vor- und Nachteile der Direkthandel bietet und was darüber zu wissen ist.

Abgrenzung zum börslichen Handel

Der außerbörsliche Handel (Direkthandel) hat seine größte Bedeutung beim Handel mit Derivaten, also Zertifikaten und Optionsscheinen. Versucht die Börse unter verschiedenen Handelspartnern den besten Partner für die Order auszuwählen (nach Preis und Liquidität), wird im außerbörslichen Handel direkt mit einem Partner (Emittentin) unter Ausschluß der Börse gehandelt.

direkthandel Bild

Ablauf des Handelsgeschäftes

Die meisten Broker bieten Ihren Kunden einen Direkthandel an. Bei der DAB-Bank wird dieser Bereich „Sekundenhandel“ genannt. Handelspartner sind die Emittenten von Derivaten. Zu den großen Häusern zählen X-Markets (Deutsche Bank), Commerzbank, Vontobel, UBS, Goldmann Sachs, ING Markets, HVB UniCredit, BNP Paribas, Societe Generale, Citi usw. Mit diesen Partnern können allerdings nicht x-beliebige Derivate gehandelt werden, sondern immer nur die von dem Handelspartner selber emittierten Derivate.

Beispiel:
Sie möchten ein Knock-Out-Zertifikat (Call) auf den DAX mit einer Knock-Out-Schwelle von 7.500 Punkten kaufen. Auf z.B. onvista.de finden Sie hier diverse passende Zertifikate von unterschiedlichen Emittenten. Sie haben sich nun ein Zertifikat von der Commerzbank herausgesucht. Für dieses Zertifikat können Sie nun entweder bei einer Börse eine Order plazieren (z.B. Scoach oder EUWAX). In diesem Fall würde die Börse bzw. der Makler versuchen, einen Marktpartner für das Geschäft zu finden. Der Preis für das Zertifikat wird vom Emittenten gestellt, der als Market Maker für das Zertifikat auftritt und verpflichtet ist, dafür einen Preis zu stellen. Schlußendlich verkauft Ihnen der Emittent das Zertifikat über den Börsenplatz zum festgestellten Preis.

Wenn Ihr Broker bzw. Ihre Bank die Commerzbank als Direkthandelspartner an sein System angeschlossen hat, dann können Sie alternativ direkt den Kauf des Zertifikates über die Commerzbank abwickeln. Ein Vorteil dabei, durch den Ausschluß der Börse sparen Sie die Börsengebühren. Doch zu den Vor- und Nachteilen des Direkthandels kommen wir später noch im Detail.

Wie funktioniert der Handel im Detail?

Sie wählen zunächst bei Ihrem Broker den Direkthandel und dort den gewünschten Handelspartner aus und fragen dann über das Handelsfrontend Ihres Brokers (Webtrading oder Handelssoftware) eine Quotierung für die gewünschte Stückzahl des ausgesuchten Derivates an.
Der Handelspartner antwortet mit einer Quotierung und nennt dabei einen unverbindlichen Geld- und einen Briefkurs für das Geschäft. Möchten Sie ein Derivat kaufen, gilt der Briefkurs, möchten Sie verkaufen, gilt der Geldkurs. Nun haben Sie eine kurze Zeitspanne, um zu diesem Kurs Ihre Zustimmung zu geben. Die Zustimmung geben Sie, indem Sie auf einen dafür vorgesehenen Button klicken („Order ausführen“ oder ähnlich). Tatsächlich muss der Emittent das Geschäft nun aber nicht zu diesem Preis annehmen, z.B. wenn sich der Kurs des Derivates in der kurzen Zwischenzeit wieder verändert hat. In diesem Fall wird die Order abgelehnt und eine neue Quotierung gestellt.

Die Zeitspanne für die Annahme des Geld/Briekurses beträgt in der Regel 5 – 10 Sekunden. Danach verfällt die Quotierung und es muss wieder eine neue angefragt werden. Ist das Geschäft zustande gekommen, wird der neue Wertpapierbestand in Ihrem Depot aufgeführt.

Welche Wertpapiere können gehandelt werden?

Im Direkthandel werden hauptsächlich Zertifikate und Optionsscheine gehandelt. Über einige Handelspartner wie Lang & Schwarz, Baader Bank und Commerzbank können aber auch in- und ausländische Aktien, Anleihen, Fonds und ETFs gehandelt werden. Ein weiteres Feld ist der Handel mit CFDs und binären Optionen, welche auch außerbörslich gehandelt werden. Dies soll aber in diesem Artikel nicht weiter ausgeführt werden.

Die Vor- und Nachteile des Direkthandels

Der Hauptvorteil liegt sicher in den niedrigeren Orderkosten. Es fallen im Direkthandel weder Börsengebühren noch andere Fremdkosten an. Gerade im Derivatebereich, wo aktive Anleger und Daytrader häufig die Positionen eröffnen und schließen, können die eingesparten Kosten pro Order schon einen ordentlichen Betrag pro Monat ausmachen. Ein weiterer Vorteil sind die längeren Handelszeiten, so kann bei den meisten Emittenten schon eine Stunde vor Börseneröffnung und bis um 22:00 Uhr Abends gehandelt werden. Lang & Schwarz bietet sogar den Handel am Wochenende an. Ein letzter Vorteil ist die Ausführungsgeschwindigkeit, die im Direkthandel i.d.R. sehr viel höher ist, als im börslichen Handel. Anleger wissen sofort, zu welchem Preis sie das Geschäft abschließen können. Die Preisfindungsphase an der Börse wird hier abgekürzt.

Der größte Nachteil des Direkthandels liegt in der fehlenden Markttransparenz. Ob die Kurse, die der Emittent stellt, wirklich marktgerecht sind, muss der Anleger immer selbst im Blick haben. Hier lohnt ein Vergleich mit den Börsenkursen bzw. mit deckungsgleichen Wertpapieren anderer Emittenten. Vorsicht ist insbesondere ausserhalb der Börsenzeiten geboten, weil hier ein Referenzkurs fehlt.
Eine Besonderheit ist, dass wenn ein Geschäft zu einem Kurs zustande gekommen ist, welches für den Emittenten stark ungünstig ist, kann dieser die Rückabwicklung des Geschäftes fordern. Dem zugrunde liegen die sogenannten Misstrade-Regeln, die jeder Emittent ausweist. Die Emittenten arbeiten mit vollautomatischen Kursmaschinen, die die Preise für die tausende von Derivaten stellen. Hier können sich in Ausnahmefällen Fehler einschleichen, die zu nicht marktgerechten Preisen führen. Die Misstrade-Regelungen schützen den Emittenten vor diesen Fehlern der Maschinen. In der Praxis kommt diese Fehler sehr selten vor, aber trotzdem sollte man darüber Bescheid wissen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

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Autor:Thomas

hat früher bei einem Online-Broker gearbeitet. Berichtet hier über Neukundenaktionen, Vor- und Nachteile bestimmter Broker, Konditionsmodelle und Trading-SetUps.Google+

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