GRATISBROKER: Erfahrungsbericht

Seit Anfang November 2019 ist der GRATISBROKER live. Ich habe Gelegenheit gehabt, mir den neuen Broker genauer anzuschauen. Lest hier meinen Bericht.

Der GRATISBROKER ist ein neuer Broker aus München. Die drei Gründer haben gemeinsam bei der DAB-Bank gearbeitet und bringen nun ihre gesammelte Erfahrung in die Neugründung ein. Frontman Malte Rubruck hatte zuletzt bei der Consorsbank den Bereich „Aktionen / FreeTrading“ verantwortet und sich dabei wohl gedacht, dass es eigentlich einen Broker geben müsste, der seinen Kunden dauerhaft kostenlose Trades anbietet und nicht nur temporär.

Beim GRATISBROKER ist der Name Programm. Im Unterschied zu anderen Neugründungen wie z.B. Trade Republic ist beim GRATISBROKER wirklich alles gratis. Jeder Trade, der ein Mindestordervolumen von 500,- € aufweist, wird kostenlos abgewickelt. Und kostenlos meint hier auch wirklich kostenlos. Es gibt keine Handelsplatzgebühren oder fremden Kosten und andere kreative Gebühren, die andere Broker ja gerne im Kleingedruckten verstecken. Es gibt noch nicht einmal eine Gebühr für die Eintragung von Namensaktien, außerdem gibt es keine Zinsen auf dem Verrechnungskonto (also keine Negativzinsen).

Kontoeröffnung

Nach einer Friends & Family Phase im September steht der GRATISBROKER seit Anfang November 2019 für alle Kunden offen. Die Kontoeröffnung ist vergleichsweise schlank gehalten.

Dazu muss man wissen, dass die Konto- und depotführende Bank hinter dem GRATISBROKER die Baader Bank ist. Strenggenommen eröffnet man also ein Depot und ein Verrechnungskonto bei der Baader Bank. Der GRATISBROKER agiert als gebundener Vermittler unter dem Haftungsdach der DonauCapital Wertpapier GmbH. Bei der Baader Bank ist das Verrechnungskonto über die gesetzliche Einlagensicherung mit bis zu 100.000 € je Kontoinhaber geschützt. Soweit zur rechtlichen Konstruktion des GRATISBROKERS.

Zurück zur eigentlichen Kontoeröffnung. Nach Eingabe der Mailadresse startet der Onboarding-Prozess, die Identifizierung erfolgt über den Dienst IDnow per Video-Ident. Dafür muss man sich im App-Store lediglich die App „IDnow-Ident“ herunterladen und damit ganz bequem über das Handy die Legitimation in einem Video-Call durchführen. Der früher gefürchtete Gang zur Post mit einem Bündel ausgedruckter Unterlagen wird damit obsolet.

Die eigentlichte Depoteröffnung beim GRATISBROKER bzw. der Baader Bank wird mit 3 Bankarbeitstagen angegeben. Solange muss man sich also noch gedulden, bis es mit dem kostenlosen Wertpaierhandel losgehen kann.

Der erste Trade

Nachdem ich mein Konto per Überweisung kapitalisert habe, kann ich auch schon mit den ersten Trades loslegen. An der Stelle muss man wissen, dass der GRATISBROKER bisher nur einen Handelsplatz anbietet. Dieser Handelsplatz ist die elektronische Börse gettex. Gettex ist das elektronische Handelssegment der Börse München. Darüber können Kunden des GRATISBROKERS derzeit 3.600 Aktien, 180 ETFs (von x-Trackers) sowie 2.100 Investment-Fonds börsentäglich von 8:00 bis 22:00 Uhr handeln. Der Marketmaker hinter gettex ist ebenfalls die Baader Bank. Ein Interessenskonflikt ist hier aber ausgeschlossen, denn der Handel ist reguliert und überwacht und zum anderen gilt natürlich das Referenzmarkt-Prinzip. Danach muss der ausgeführte Kurs und der Spread mindestens auf dem Niveau der Referenzbörse liegen (z.B. XETRA, sofern das Wertpapier dort gehandelt wird).

Die Wertpapiersuche kann über die Eingabe des Namens, der WKN oder ISIN erfolgen und funktioniert gut. Mein erster Trade sind 15 Daimler Aktien im Gegenwert von ca. 790 €. Bei der Aufgabe der Order ist das Mindestorvolumen zu beachten. Bei einem Gegenwert von weniger als 500,- € kann die Kauf-Order nicht aufgegeben werden. Beim Verkauf einer Position ist es dagegen egal, wie groß die Position ist.

Als Ordertypen gibt es

  • Bestens, also eine Market-Order
  • Limit, also eine Limit-Order, die nur bei Erreichen des Limits ausgeführt wird
  • Stop, zum Beispiel Stop-Buy oder Stopp Loss für vorhandene Positionen

Die Ordergültigkeit kann frei von heute bis zu einem Zeitraum von 365 Tagen erteilt werden. Die Geld- und Briefkurse werden in Realtime von gettex gepusht.

Bei der Orderaufgabe wird eine SMS an meine hinterlegte Mobilfunknummer gesendet und den Code gebe ich in die Ordermaske ein. An der Stelle erhalte ich auch die Gelegenheit, diese Authorisierung direkt für die gesamte Session anzuwenden. D.h. ich kann die Order nach der Aufgabe noch verändern, löschen oder weitere aufgeben, ohne weitere SMS-TANs generieren zu müssen.

Bei einer erfolgten Ausführung erscheint ein kleines Pop-Up unten rechts im Bildschirm, welches die Daten der ausgeführten Order anzeigt.

Handelsplattform:

Das Handelsfrontend des GRATISBROKERS wurde primär für den Desktop-Browser entwickelt, also ein klassiches Webtrading. Allerdings ist die gesamte Webseite des GRATISBROKERS im Responsive Design entwickelt, was bedeutet, dass sich die Webseite der Darstellungs-Größe des Browsers anpasst. Es ist also durchaus möglich, auch mit dem Smartphone die Webseite aufzurufen, sich einzuloggen und Orders aufzugeben. Allerdings ist das natürlich nicht so bequem wie am Desktop. Eine native App gibt es derzeit nicht. Im persönlichen Gespräch teilte mir einer der Gründer mit, dass die Entwicklung einer Trading-App in Zukunft aber durchaus eine Option sein könnte.

Service:

Dass der GRATISBROKER nicht den gleichen Service bieten kann, den eine Comdirect oder Consorsbank bietet, muss bei dem Konditionsmodell jedem klar sein. Die Kundenkommunikation erfolgt hauptsächlich über ein Ticketsystem. Über dieses Sytem können dann auch zwischen Kunden und GRATISBROKER personalisierte Konto- und Depotinformationen gesichert ausgetauscht werden. Ich hatte bisher noch keine Supportanfragen, so dass ich nichts über die Bearbeitungszeit sagen kann. Parallel zum Ticketsystem gibt es auch einen telefonischen Kundensupport, der börsentäglich von 8:00 bis 18:00 Uhr erreichbar ist. Allerdings haben die Hotline-Mitarbeiter keinen Konto- und Depotzugriff und können daher keine kontospezifischen, sondern nur allgemeine Auskünfte geben und Anfragen an den GRATISKUNDEN-Support weiterleiten. Eine telefonsische Ordererteilung ist damit auch nicht möglich.

Gut umgesetzt wurde die gesamte steuerliche Thematik. Die anfallende Kapitalertrags- sowie Kirchensteuer wird automatisch abgeführt. Gewinne, Dividenderträge und eventuelle Verluste aus Wertpapiergeschäften werden den richtigen Steuertöpfen zugerechnet. Bei Bedarf kann ein Freistellungsauftrag erteilt werden und die Ausstellung einer Verlustbescheinigung ist ebenfalls möglich.

Was nicht möglich ist, sind Wertpapierüberträge von anderen Depots hin zum GRATISBROKER. Wer als Neukunde beim GRATISBROKER einsteigt, macht das mit einem leeren Depot, dessen Volumen nur über neue Wertpapierkäufe gesteigert werden kann. Umgekehrt ist es aber durchaus möglich, seine Wertpapiere vom GRATISBROKER zu einem anderen Broker zu übertragen. Diese Möglichkeit ist eine gesetzliche Vorschrift. Wer sich nun allerdings überlegt, seine Wertpapiere gratis zu erwerben und diese dann zu einem anderen Broker zu verschieben (z.B. um dort noch eine Depotwechselpämie zu erhalten), dem sagt der GRATISBROKER klipp und klar, dass dies dann auch eine Beendigung der Geschäftsbeziehung zur Folge hat. Denn ausnutzen lassen, möchte sich der GRATISBROKER natürlich nicht.

Bisheriges Fazit:

Mein bisherigers Fazit nach zwei Wochen Nutzung des GRATISBROKERS und mehreren ausgeführten Trades fällt positiv aus! Die Bedienung des Handelsfrontend ist stimmig und absolut funktional. Mit dem Service haben sich bisher kaum Berührungspunkte ergeben, so dass ich hier nicht viel zu sagen kann.

Was ich aber in meinem eigenen Verhalten beobachte ist, dass das „Umsonst“-Traden sehr viel Spaß macht! Auch kleine Kursdifferenzen, die bei anderen Konditionsmodellen keinen Sinn ergeben, können hier mitgenommen und ausgenutzt werden. Klasse finde ich zudem, dass man sich auch sonst keine Gedanken um andere Gebühren – welcher Art auch immer – machen muss. Egal ob Namensaktien, in- und ausländische Dividendenerträge, Orderänderungen- oder löschungen, alles ist kostenfrei.

Mir ist natürlich klar, dass das Geschäftsmodell dahinter so ausschaut, dass der GRATISBROKER Zuwendungen von den Handelspartnern, Market Makern und Produktherstellern erhält. Aber die erhalten andere Broker ja auch, nur geben diese die Zuwendungen üblicherweise nicht an ihre Kunden weiter. Gleichzeitig sind beim GRATISBROKER alle Provisionen, die aus diesem Modell hervorgehen, sehr transparent dokumentiert.

Gut gefällt mir auch, dass ich mit Market, Limit und Stop alle wichtigen Orderzusätze zur Verfügung habe und so natürlich auch Stop-Loss für meine vorhandenen Positionen hinterlegen kann. Der vorher von mir getestete Broker justTRADE konnte dies bisher noch nicht.

Natürlich bedeutet der Handelsplatz gettex eine erhebliche qualitative Einschränkung. Es sind zwar nominell 3.600 Aktien handelbar (und damit viel mehr als auf XETRA), aber in den meisten Aktien geht das gehandelte Volumen auf gettex gegen Null. Wir fair die Kursstellung und der Spread auf gettex über den Marketmaker Baader Bank ist, dazu kann ich keine Aussage treffen. Festzuhalten ist aber, dass an gettex wie auch an allen anderen Börsen das Referenzmarktprinzip gilt. Danach „ist eine ausführbare Order mindestens zu dem Kurs auszuführen, den der eingehende Handelsteilnehmer auch am Referenzmarkt erzielt hätte“. Wer sich hier genauer informieren möchte, hier habe ich die Ausführungsbestimmungen der Börse München/gettex verlinkt.

Sparpläne können über den GRATISBROKER noch nicht eingerichtet werden. Allerdings sehe ich da kein großes Problem, denn ich habe ja die Möglichkeit, regelmäßige Kaufaufträge von ETFs kostenlos auszuführen. 180 ETFs von x-Tracker (x-Tracker gehört zur DWS, der börsennotierten Tocher der Deutschen Bank) bieten hier ein gutes Spektrum an Anlagemöglichkeiten.

Ich bin sehr gespannt, wie sich das Angebot des GRATISBROKERS entwickeln wird und ob sich das Geschäftsmodell des Umsonst-Tradens generell durchsetzen kann. In Gesprächen habe ich erfahren, dass der GRATISBROKER mindestens 15.000 Kunden braucht, um profitabel zu sein. Aus Kundensicht wünsche ich mir, dass das gelingt!

Hier geht es direkt zum GRATISBROKER. Hier habe ich das Angebot des GRATISBROKERS mit dem von Trade Republic und justTRADE verglichen.

Update 06.12.2019: Ab sofort können auch über 120 ETFs von Amundi über den GRATISBROKER gehandelt werden. Zusammen mit den schon vorher handelbaren ETFs von X-trackers können damit mehr als 300 ETFs gehandelt werden.

Impressionen aus Webtrading und Trading-App

Klick zum Vergrößern

Screenshot aus dem Webtrading des GRATISBROKERS: Depotübersicht

Screenshot aus dem Webtrading des GRATISBROKERS: Orderaufgabe

Screenshot aus dem Webtrading des GRATISBROKERS: Orderaufgabe

Screenshot aus dem Webtrading des GRATISBROKERS: Orderbestätigung

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Autor:Thomas

hat früher bei einem Online-Broker gearbeitet. Berichtet hier über Neukundenaktionen, Vor- und Nachteile bestimmter Broker, Konditionsmodelle und Trading-SetUps.Google+

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