Vergleich Trade Republic, GRATISBROKER und justTRADE

Die Brokerbranche in Deutschland ist zuletzt ordentlich durcheinandergewirbelt worden. Drei Broker-Neugründungen sind innerhalb weniger Monate in Deutschland an den Start gegangen. Wir haben alle drei Broker getestet und die Angebote miteinander verglichen. Lest hier die Ergebnisse.

Jahrelang dämmerte die Onlinebroker-Branche in Deutschland einen Dornröschenschlaf. Nachdem die ersten Online-Broker Ende des letzten Jahrtausends das Geschäftsmodell der Geschäftsbanken eruptierten, ist viel Zeit vergangen. Außer einigen Übernahmen innerhalb dieser nun zum Establishment gehörenden Broker ist eigentlich nicht viel passiert. Zugegeben, Produktseitig hat es schon einige Neuerungen gegeben, aber für den normalen Standard-Wertpapierkunden hat sich eigentlich in den letzten 20 Jahren nicht viel geändert. Zwischendurch kam Flatex, hat die Branche kurz durchgeschüttelt und sich mit dem Flat-Fee-Modell als Preisführer etabliert. Dann ist lange Jahre wieder nichts passiert, bis es einem Broker aus den Niederlanden, DEGIRO, mit einem vergleichsweise innovativen Geschäftsmodell gelang, sich zum neuen Preisführer aufzuschwingen.

Doch nun ist abermals Bewegung in den statischen Markt gekommen. Innerhalb weniger Monate sind drei Brokerneugründungen aus Deutschland in den Markt eingetreten, Trade Republic, GRATISBROKER und justTRADE. Alle werben mit mehr oder weniger kostenlosen Trading. Kostenlos? Da werden sicher einige hellhörig, denn kostenlosen Angeboten stehen viele Deutsche mit Vorurteilen gegenüber. Um das Modell zu verstehen, muss man wissen, dass in den USA schon seit einiger Zeit der Anbieter Robin Hood kostenloses Trading anbietet und damit sehr erfolgreich ist. Das Geschäftsmodell hinter dem Kostenlosen Trading schaut so aus, dass die Anbieter auf der einen Seite die Kosten soweit wie möglich reduzieren, teilweise bedingt durch technische Innovation und auf der anderen Seite Zuwendungen von Handelsplätzen, Produktanbietern und Market Makern bekommen.

Was taugen also nun die neuen Broker? Kann man dort bedenkenlos sein Geld investieren? Mit welchen Einschränkungen muss man ggf. rechnen?

Wir haben die drei neuen Broker ausgiebig getestet und vergleichen hier die wichtigsten Features:

Trade RepublicGRATISBROKERjustTRADE
Erfahrungsberichtemein Testmein Testmein Test
Mindestordervolumenkeins500,- € bei Käufen500,- € bei Käufen
HandelsplattformenTrading-AppWebtrading- Webtrading
- Trading-App
Handelbare Produkte
Aktien7.3004.0007.300
ETFs500
iShares
300
Amundi, db-x-trackers
1.000
Amundi, db-x-trackers, iShares, Vanguard, Lyxor, Comstage, vanEck
Sparpläne280 ETF-Sparpläne
iShares
keinekeine
Fondskeine2.100keine
verbriefte Derivate
(Optionsscheine, Zertifikate)
40.000160.000500.000
Anleihenkeinekeinekeine
Futures & Optionen,
CFDs, Forex
keinekeinekeine
Handelsplätze
börslichLS Exchangegettex- LS Exchange
- Quotrix
außerbörslichHSBCkeine- UBS
- Citi
- Société Générale
- Vontobel
Handelszeiten7:30 bis 23:00 Uhr
(Aktien & ETFs)
8:00 bis 22:00 Uhr
(Derivate)
8:00 bis 22:00 Uhr7:30 bis 23:00 Uhr
Gebühren
Orderausführung1,00 €
(außer Sparpläne: 0,00 €)
0,00 €0,00 €
Eintragung Namensaktien2,00 €kostenlos1,00 €
Zinsen Verrechnungskonto0,00 % p.a.0,00 % p.a.-0,5 % p.a.
Sicherheit
BanklizenzJaNein
Nein
KontoführungsolarisBankBaader BankSutor Bank
Einlagensicherung100.000 €100.000 €1,3 Mio. €
Steuern
Abzug Abgeltungssteuer beim
Verkauf bzw. bei Dividendenerträgen
JaJaJa
JahressteuerbescheinigungJaJaJa
Sonstiges
Depotübertrag möglichJa, Wertpapiere können zu Trade Republic übertragen werdennicht möglichnicht möglich
zum Angebot bei Trade Republiczum Angebot bei GRATISBROKERzum Angebot bei justTRADE

Trade Republic, Gratisbroker, justTRADE – Wer ist denn nun der Sieger?

Handelbare Produkte:
Quantitativ bietet justTRADE den größten Umfang an handelbaren Produkten. Insbesondere die vier außerbörslichen Emittenten sorgen für viele Möglichkeiten im Handel mit verbrieften Derivaten. Auch der Umfang an handelbaren ETFs ist bei justTRADE am größten.

Wer dagegen Investmentfonds handeln möchte, der kann eigentlich nur den GRATISBROKER wählen, da die anderen beiden Broker diese (noch) nicht anbieten.

Die Ausführung von ETF-Sparplänen bietet derzeit nur Trade Republic an. Das muss aber nicht unbedingt ein Show-Stopper sein, denn alternativ könnte die Sparplanausführung auch selbst umgesetzt werden, da die normale ETF-Order bei justTRADE und GRATISBROKER nichts kostet. Aber das ist natürlich aufwändiger umzusetzen und 500 € sind für regelmäßige ETF-Sparbeträge auch etwas viel.

Ergebnis: Untentschieden

Handelsplätze:
Hier liegt ganz klar justTRADE mit zwei börslichen Handelsplätzen (Quotrix, LS Exchange) und vier außerbörslichen Handelspartnern weit vor den anderen beiden Brokern. Zudem sind die Handelszeiten mit 7:30 bis 23:00 Uhr bei justTRADE auch besser als bei den anderen beiden (für alle Wertpapiergattungen).

Ergebnis: justTRADE

Handelsplattform:
Trade Republic bietet den Trading-Zugang ausschließlich über eine native App an. Die App ist zwar sehr gut umgesetzt und für Gelegenheitstrader vielleicht ausreichend. Wer jedoch häufig handelt und insbesondere verbriefte Derivate wie Zertifikate und Optionsscheine, der braucht in der Regel einen WebTrader. App & WebTrader bietet bisher nur justTRADE, weswegen justTRADE diese Kategorie auch für sich entscheidet.

Ergebnis: justTRADE

Gebühren:
Trade Republic verlangt pauschal 1,00 € pro ausgeführte Order. Gratisbroker und justTRADE führen die Orders dagegen komplett kostenlos aus. Dafür haben die beiden Broker ein Mindestordervolumen von 500€ für Kauforders definiert. Bei Trade Republic gibt es keine Einschränkung hinsichtlich eines Mindestordervolumens. Sparpläne werden bei Trade Republic generell kostenfrei ausgeführt. Die anderen beiden bieten keine Sparpläne an.

Wenn man nun auch noch die Kosten für die Einschreibung von Namensaktien in das Aktienregister mit in die Betrachtung einbezieht, dann liegt hier der GRATISBROKER vorne, weil wirklich alles gratis ist und man sich keine Gedanken um Ordergebühren, Gebühren für die Eintragung von Namensaktien oder Negativzinsen machen muss.

Ergebnis: GRATISBROKER

Sicherheit:
Trade Republic ist der einzige der drei Broker, der eine eigene Bafin-Wertpapierhandelslizenz besitzt. Der GRATISBROKER agiert als gebundener Vermittler. Und bei justTRADE handelt es sich quasi um einen „verlängerten Arm“ der Sutor Bank. Aus Kundensicht macht die rechtliche Konstruktion jedoch keinen substantiellen Unterschied, denn alle drei Verrechnungskonten liegen bei Drittbanken und sind über die gesetzliche Einlagensicherung mit 100.000 € pro Kontoinhaber geschützt. Da die Sutor Bank aber über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus auch Mitglied des freiwilligen Sicherungsfonds der deutschen Banken ist, ist hier die Haftungssumme wesentlich höher und liegt derzeit bei ca. 1,3 Mio Euro pro Kunde.

Ergebnis: justTRADE (wegen der Einlagensicherung)

Fazit:

Wie so oft, kann man keine pauschale Aussage darüber treffen, welcher der drei Broker die beste Alternative darstellt. Es hängt in den meisten Fällen einfach vom Anforderungsprofil des Anlegers ab.

Wenn wir aber objektiv die einzelnen Anforderungskriterien auswerten, dann liegt justTRADE in unserer Auswertung vorne. Insbesondere die vergleichsweise vielen Handelsplätze und die Trading-Zugänge über WebTrader und App geben aus unserer Sicht hier für aktive Kunden den Ausschlag. Aber auch Trade Republic ist für Buy & Hold-Kunden sehr interessant, insbesondere auch deshalb, weil ein Depotübertrag dorthin möglich ist.

Seit Mitte Mai ist die Depoteröffnung bei justTRADE für alle Interessierten möglich. Zuvor gab es nur einen Zugang über eine Warteliste.

Was denkt Ihr über die drei Broker? Welcher ist Euer Favorit?

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Autor:Thomas

hat früher bei einem Online-Broker gearbeitet. Berichtet hier über Neukundenaktionen, Vor- und Nachteile bestimmter Broker, Konditionsmodelle und Trading-SetUps.mein Depotvergleich der Top-Broker

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9 Kommentar zu “Vergleich Trade Republic, GRATISBROKER und justTRADE”

  1. Pebif
    16. Dezember 2019 at 10:24 #

    Hallo,
    guter Beitrag. Jedoch hat sich in der Vergleichstabelle ein Fehler eingeschlichen. justTrade verlangt -0,5% Zinsen für das Einlagenkonto und nicht -0,05% wie in der Tabelle angegeben. Auf der Internetseite von justTrade ist dazu gleich folgendes Rechenbeispiel angeführt:
    Zitat: „Bei durchschnittlich 5.000€ Guthaben pro Tag auf dem Verrechnungskonto fallen gerade einmal 25€ Minuszinsen pro Jahr an, was umgerechnet 0,07€ pro Tag entspricht.“

    Das ist zwar nicht viel aber damit ist das ganze natürlich nicht mehr kostenfrei.Bei 50.000€ auf dem Konto sind es dann schon 250€ usw.. Das ist für mich schon ein Kriterium, das bewertet werden sollte. Die anderen beiden verlangen keine Minuszinsen.

  2. Thomas
    17. Dezember 2019 at 14:40 #

    Hallo Pebif, vielen Dank für Deinen Hinweis. Da ist mir ein Fehler unterlaufen. Es sind 0,5% Negativzinsen. Habe ich in der Tabelle verbessert.

  3. Tom
    31. Dezember 2019 at 16:46 #

    Danke für den übersichtlichen Vergleich Thomas. Zwei Punkte die ich mir als Ergänzung noch wünschen würde:

    1. ETF Anbieter
    – Trade Republic: Ishares (& Wisdom Tree?)
    – Gratisbroker: Amundi & Xtrackers
    – justTrade: ?

    2. Margen für Fremdwährungskonvertierung bei Kapitalmaßnahmen und Ausschüttungen, z.B. Dividenden/Ausschüttungen von US Aktien oder ETFs mit Fondswährung USD
    – Trade Republic: währungsspezifisch, z.B. USD 0,14% (Quelle: https://traderepublic.zendesk.com/hc/de/articles/360002987460)
    – Gratisbroker: ?
    – justTrade: 0,4%

  4. Thomas
    4. Januar 2020 at 19:35 #

    Hallo Tom, vielen Dank für den Kommentar. Die ETF-Anbieter habe ich ergänzt. Bei justTRADE sind es Amundi, db-x-trackers, iShares, Vanguard, Lyxor, Comstage und vanEck. Die Marge bei GRATISBROKER ist mir nicht bekannt. Vielleicht kennt sie ja einer hier?

  5. Aaaah
    4. März 2020 at 15:17 #

    Hi, tolle Übersicht.
    Bei Trade Republic werden „wertlos verfallene“ Knock-Out Zertifikate nach ca. 1-2 Wochen mit je 0,01 cent pro Stück zurückgekauft.

    D.h. dass man zu viel gezahlte Abgeltungssteuer in seinem Portfolio nach dem Rückkauf sofort erstattet bekommt. Das ist ziemlich nett. Allerdings weiß ich nicht, ob das bei den anderen auch so läuft?
    Trade Republic hat zur Zeit leider echt harte Performance Probleme. Gnade demjenigen, der ohne Stop und Limit Orders arbeitet.

    Ich überlege daher, mir die anderen mal anzusehen. Aber nur, wenn sie dieses Feature auch bieten?

  6. Thomas
    4. März 2020 at 17:10 #

    Hallo Aaaah, vielen Dank für Deinen Kommentar! Was Du zum Umgang mit Knock-Outs und anderen Hebelprodukten bei Trade Republic beschreibst, ist eigentlich der Standard und kein Feature von Trade Republic. Innerhalb von 2 Wochen werden die verfallenen Zertifikate oder Optionsscheine aus dem Depot mit einem Restwert von 0,001€ ausgebucht. Das ist meines Wissens bei allen Brokern, die den Handel mit Hebelprodukten anbieten, so.

  7. PingPong
    4. Mai 2020 at 20:49 #

    Hi, ich suche schon länger nach der Antwort zu dieser Frage:
    Bei Traderepublic wird mir ja ein Preis in Euro für US Aktien angezeigt. Woher kommt der? Handele ich bei Traderepublic wirklich mit den Aktien der US Firma oder ist das irgendeine Nachbildung des Kurses? Wenn ich wirklich die US Aktie auch kaufe, wie ist der Wechselkurs und verdient TradeRepublic auch daran etwas?

    Sorry, falls die Frage trivial ist, aber ich finde einfach nichts…

    Danke!!!

  8. Thomas
    5. Mai 2020 at 12:52 #

    Hallo PingPong, der Kurs kommt von der LS Exchange. Das ist der Börsenplatz, den Trade Republic angebunden hat. Die LS Exchange rechnet den Kurs des korrespondierenden US-Wertpapieres in Euro um. Du erwirbst aber eine echte US-Aktie.

    Die Kalkulation des Börsenplatzes ist für den Anleger nicht transparent, also ob da noch eine FX-Marge auf den Kurs gerechnet wird und wie hoch diese ausfällt, ist nicht bekannt. Trade Republic selber rechnet nichts um, die erheben auch keine Marge. Für die ist es eine ganz normale Order, die an die LS Excchange weitergeleitet wird.

    Deshalb kann es bei ausländischen Aktien auch durchaus Sinn machen, den Kurs von unterschiedlichen Börsen und Marketmakern zu vergleichen. Wenn Du die Aktie direkt am Heimatmarkt in den USA kaufen würdest, hättest Du die FX-Marge übrigens auch (wenn du kein Fremdwährungskonto unterhältst).

  9. Josef
    17. Mai 2020 at 15:09 #

    Hallo Thomas,

    gute Recherche. Vielleicht wärs noch gut bei den jeweiligen anzufügen wie man sich legitimieren muss um überhaupt einen Kontoantrag stellen zu dürfen. Gratisbroker.de und Trade Republic sind sehr einfach zu legitimieren, bei Justtrade MUSS man einen Personalausweis haben, da geht kein Reisepass mit Meldebescheinigung. DAS erfährt man aber erst nach Tagen wenn man die 2. Einladung bekommen hat.

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