FXdirekt am Pranger

Über Jahre hinweg soll die FXdirekt Bank systematisch Kunden ausgeplündert haben – und das direkt unter den Augen der Finanzaufsichtsbehörde. Dies ergibt sich aus einem Artikel der Wirtschaftswoche, in dem schwere Vorwürfe gegen den CFD- und Forexbroker erhoben werden.

Eine Zeitmaschine im System?

Möglicherweise werden potentielle Kunden mit Geschäften geködert, die gar nicht schief gehen können. Eine Kundin berichtet in der Wirtschaftswoche über ihr erstes Gespräch mit einer Call-Center-Mitarbeiterin des Online-Brokers, bei der sie motiviert wurde, die 50.000 Euro Spielkapital des Demokontos auf einen fallenden Dax zu setzen. Innerhalb weniger Minuten konnte die Frau einen gewaltigen Gewinn realisieren. Dass dahinter Methode stecken könnte, lässt eine Stichprobe der Wirtschaftswoche vermuten, bei der Differenzen zum tatsächlichen Börsenkurs ermittelt wurden. Sollten Börsendaten tatsächlich nur mit zeitlicher Verzögerung in das Demosystem eingespeist werden (was die Bank bestreitet), würde dies einen Berater mit Zugriff auf die Echtzeitdaten zu einem unfehlbaren Ratgeber machen. Für den potentiellen Kunden wäre eine solche Zeitmaschine im System kaum zu erkennen, für die Bank hingegen ein echter Goldesel.

Mit Hebelkräften reich werden

Das funktioniert in der Regel nur einseitig – und die Kundenseite gehört selten dazu. Doch ein über das Demokonto mit seinen möglicherweise todsicheren Gewinnen geköderter Kunde wird der Verlockung der Hebel weit schneller erliegen. Dies scheint auch die FXdirekt Bank zu wissen, deren Kerngeschäft außerbörslich gehandelte Produkte sind, bei denen der Kunde auf Kursdifferenzen von Währungen (Forex) spekuliert oder mit Differenzkontrakten (Contracts For Difference oder CFD) handelt. Derartig hochspekulative Geschäfte sind gehebelt, das heißt, der Kunde bewegt mit 1.000 Euro Einsatz tatsächlich ein Kapitalvolumen von 100.000 Euro und profitiert von entsprechend hohen Gewinnen. Da der Kunde mit seinem Einsatz lediglich eine Anzahlung als Sicherheitsleitung hinterlegt, kann es bei Overnightpositionen im schlimmsten Fall zu Nachforderungen kommen. In der Regel schützt eine Bank seine Kunden durch rechtzeitigen Verkauf der Positionen und begrenzt den Verlust damit auf die Einlage. Bei der FXdirekt scheint auch das anders zu sein.

Alles gegen den Kunden verwenden!

Offenbar zählt für die Bank ausschließlich der eigene Umsatz. Gegenüber der Wirtschaftswoche behaupten Insider, dass die Bank sowohl Margincalls wie auch Stop-Loss-Limits des Kunden nutze, um durch geschicktes Festsetzen des Kurses zusätzlichen Umsatz zu generieren. Dass die Bank bei den CFDs den tatsächlichen Handelspreis bestimmt (Dealing Desk), dürfte den meisten Kunden nicht wirklich bewusst sein. Dies steht zwar in den Geschäftsbedingungen, ist aber juristisch so geschickt verklausuliert, dass wohl kaum ein Kunde die wirkliche Tragweite ermessen kann. Offenbar reichen der Bank die Gewinne noch nicht, die sich dank der Hebelung schon aus geringsten Differenzen zwischen dem festgesetzten und dem tatsächlichen Kurs ergeben. So werden die Kunden nach Aussagen ehemaliger Mitarbeiter zudem gezielt in kostenträchtige Positionen wie Silber gedrängt, die der Bank weiteren Umsatz generieren. Alles im Sinne des Umsatzes – das scheint das eigentliche Credo der FXdirekt Bank zu sein.

Der Vorfall fügt der aufstrebenden CFD-Branche schweren Schaden zu. Aus Sicht der FXdirekt Bank sind alle Vorwürfe unbegründet und entbehren jeglicher Grundlage. Bewiesen ist in der Tat bislang nichts – allerdings sind auch bisherige Gerichtsverfahren stets durch Vergleich erledigt worden. Cortal Consors – seit vielen Jahren Partnerbroker von FXdirekt – hat bereits reagiert und das Angebot von seiner Homepage genommen.

Weitere Informationen:
Artikel in der Wirtschaftswoche

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Autor:Thomas

hat früher bei einem Online-Broker gearbeitet. Berichtet hier über Neukundenaktionen, Vor- und Nachteile bestimmter Broker, Konditionsmodelle und Trading-SetUps.Google+

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